
Christians Storys

Eine unterhaltsame Zugfahrt
Mit der Bahn nach Lübeck. Fortbildung. Ich war schon im Vorfeld gespannt, ob alles gut geht, nachdem letztes Jahr von 4 geplanten Reisen nach Regensburg mit dem Zug 3,5 nicht geklappt hatten: 1 Fahrt nach Regensburg war reibungslos verlaufen. Ich war in sensationellen 3 h und wenigen Minuten vom Frankfurter Hauptbahnhof zum Hauptbahnhof in Regensburg gefahren. Mit dem Auto hatte das an einem Freitag Nachmittag einen Monat zuvor 5 Stunden gedauert. Bei weiteren 3 Fahrten war der Zug „ersatzlos gestrichen“ worden, davon einmal wegen Streiks, einmal wegen Fahrplanwechsels und einmal aus nicht erklärten Gründen.
Drei Stunden vor der geplanten Zugfahrt erhielt ich eine Mail der Deutschen Bahn: „Ihr Sitzplatz hat sich geändert, da ein anderer ICE eingesetzt wird. Ihr Ticket behält Gültigkeit.“ Puh, kein Ausfall also, immerhin. Im ICE, 1. Klasse, Wagen 12, kam ich bei meinem neuen Sitz 23 an. Da saßen vergnügt vier Damen, so Ende 30, Anfang 40. Als ich sagte, ich hätte den einen Sitz reserviert und würde gerne hier sitzen, kam es zu großer Aufregung: „Was machen wir denn jetzt“, entfuhr es der blonden Dame, „dann müssen wir ja alle umziehen? “ Eine andere Dame, „Tina“ die sich später als die Chefin der drei anderen herausstellte beruhigte sie: „Nein, drei können doch bleiben, nur einer braucht einen anderen Platz.“ So geschah es. Ich nahm platz, der Tisch vor mir war noch mit Dosen und einem Tablet besetzt. Mein Fußraum war durch einen Rucksack eingeengt. „Ist das Ihr Rucksack?“, fragt mich die Blondine, „Sie haben aber viel Gepäck.“ „Nein, das ist Ihr Rucksack“, antwortete ich. „Ach so, stimmt ja, sagte sie und nahm ihn zu sich.“ Ich packte meinen Laptop aus und stellte ihn, die Sachen die dort lagen verdrängend, auf den Tisch vor mir. Die Damen nahmen sehr schnell ihr Hab und Gut und ich hatte mein Revier verteidigt.
Dann ging das Geplapper los, über die Dienstreise nach Rostock, den Umstieg in Hannover, über juristische Themen. Tina, die Chefin, moderierte das und hatte immer Antworten. Ich nahm meine Kopfhörer aus meinem Rucksack und schirmte mich mit Depeche Mode ab und bestellte mir über die App Essen und einen Kaffee mit Milch zum Sitzplatz, das nach einer viertel Stunde dann auch kam. Als bei Öffnen der Milch ein Spritzer auf den Tisch spritze zog die brünette Dame schräg gegenüber mütterlich ein Taschentuch heraus und wischte ihn, mich freundlich anlächelnd, weg. „Guten Appetit“ , sagte sie. Ich bedankte mich höflich. Als die Dame, die das Essen gebracht hatte, etwa eine halbe Stunde später zum Kassieren kam, nahm ich die Kopfhörer kurz raus und bezahlte. Im Lautsprecher erschall der Zugführer: „Nächster Halt „Göttingen“. „Oh, da müssen wir doch umsteigen“, geriet die blonde Juristin leicht in Panik. Tina, die Chefin, hatte inzwischen große Kopfhörer auf und reagierte nicht. Die Brünette überlegt. „Nein, Sie müssen erst in Hannover umsteigen“, grätschte ich rein und musste laut lachen. „Na dann ist ja gut“, sagte die Blondine.
Kurz vor Hannover packten sie dann zusammen, ich bot meine Hilfe an und gab den Dreien ihr Gepäck rüber vom Sitzplatz zum Gang. „Jetzt hätte ich doch fast Ihren Laptop mitgenommen“, sagte die Blondine zu mir. „Dann hätten Sie meine Kassenabrechnung machen müssen, „antwortete ich. „Wir können nur mit juristischen Dingen helfen“, sagte sie. „Vielen Dank und gute Weiterfahrt“, sagte eine der Damen zu mir als ich das letzte Gepäckstück rüberreichte. „Vielen Dank für die Unterhaltung“, antwortete ich. Der gesamte Wagen lachte laut auf.
Endlich Ruhe, dachte ich. Doch dann kamen am anderen Ende des Wagens vier Damen in Feierstimmung, die alle lauthals bis Hamburg unterhielten. Im Regionalexpress nach Lübeck setzte sich dann Peter, ein 79 Jahre alter Mann aus Dortmund, der jetzt in Neustadt in Holstein wohnt, gegenüber und erzählte mir bis zum Lübecker Hauptbahnhof seine Lebensgeschichte. Er war Bergmann, später bei der Telekom und dann ist er wegen eines Unfalls mit 48 Jahren in Rente gegangen. Letztes Jahr ist seine Frau gestorben. Im Hotel angekommen hatte ich dann meine ersehnte Ruhe und war voll von Erlebnissen, die ich verarbeitete, bis am nächsten Tag 9 Uhr meine Fortbildung begannt. Wenn einer eine Reise tut…
Die Rückfahrt
Rückreise:
RegionalExpress kommt 15 Minuten später, Grund ist ein umgestürzter Baum auf der Strecke. Am Ende sind wir unter 10 Minuten später losgefahren.
Mädchen im Zug, vielleicht 6 Jahre: „Mama, was möchtest Du werden, wenn Du es Dir aussuchen könntest: Lokführer, Passagier oder blinder Passagier?“ Die Zwillings- Schwester: „Also blinder Passagier schon mal nicht. Die Mutter: „Wenn schon dann Passagier.“ Das jüngere Mädchen: „Nein Mama, wenn Du die Option hättest.“ Ihre Schwester: „Ach egal, ich jedenfalls Lokführer.“ Die Mutter: „Du willst also Lokführer werden?“ „Nein, Du weißt doch, dass ich Sängerin werden will.“
Ansage in Bad Oldeslohe: „Die Weiterfahrt verzögert sich um 5-10 Minuten, da zwischen Bad Oldeslohe und Hamburg Hauptbahnhof nur eingleisiger Verkehr möglich ist. In einem Gleis liegt ein Baum und wir müssen einen Zug im Gegenverkehr noch abwarten.“
ICE nach Frankfurt mit Puffer von 9 Minuten noch bekommen. „Universaltoilette fehlt“, wohl die Behindertentoilette.
Kurzfristiger Gleiswechsel. Glücklicherweise nur Gleis gegenüber. Aber der Zug ist pünktlich. Im Zug: Mein bestellter
Einzelplatz ist tatsächlich frei. Die Bestellung von Chicken Masala und 1 König Pilser klappt gut und wird mir, da 1. Klasse, an den Platz gebracht. Jetzt wird es entspannend. Lesen, Musikhören. Ein wenig mit dem Laptop arbeiten. Noch ist die Prognose, dass wir pünktlich ankommen…